Vortrag
Samuel Lampel (1884–1942) – sein Leben und seine Musik
26.09.2024  | 17:00 Uhr
Hannover Congress Centrum | Roter Saal

Themenschwerpunkte:
Interkulturelles Arbeiten
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Geistliche Musik
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Musikvermittlung
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Der Vortrag gibt einen Einblick in das Leben und Schaffen des Kantors Samuel Lampel. Im Mittelpunkt steht das komplett vertonte „Abendgebet für Schabbat“ (Leipzig 1928). Der erste Teil des Vortrages von Musikwissenschaftler Thomas Schinköth widmet sich Lampels Biographie, seinen frühen Jahren als Schüler und Musiklehrer in Hannover-Ahlem sowie seinen vielfältigen Tätigkeitsfeldern als Lehrer, Kantor, Publizist und Brückenbauer in Leipzig. Im zweiten Teil werden Lampels Kompositionen für den Schabbat-Gottesdienst von Kantor Assaf Levitin, Chasan an der Hamburger Reformsynagoge, in den Kontext der religiös-musikalischen Praxis in der Synagoge gestellt. Ausgewählte Musikbeispiele werden von einer kleinen Besetzung des Leipziger Synagogalchores live dargeboten.



MITWIRKENDE

Thomas Schinköth studierte von 1983 bis 1988 in Leipzig Musikwissenschaft. An der Leipziger Universität unterrichtete er Musik und ihre vielfältigen Verankerungen im Leben der Menschen, mit besonderem Fokus auf Musik unter Diktaturen, z.B. in der NS-Zeit, das Leben und Wirken jüdischer Musikerinnen und Musiker sowie die Leipziger Musikgeschichte in ihren vielfältigen Facetten. Für die Reihe „Jüdische Miniaturen“ (Hentrich & Hentrich) schrieb er ein Porträt über Samuel Lampel, den Oberkantor der liberalen Gemeindesynagoge in Leipzig. Jahrelang sang er in Amateurchören und übernahm Vertretungs- und Registerproben. Seit 2018 arbeitet er im Seniorenbüro Ost „Inge & Walter“ in Leipzig und absolviert berufsbegleitend eine Musiktherapie-Ausbildung in Posterstein. 

Assaf Levitin ist gegenwärtig Chazzan (Kantor) in der Reform-Synagoge in Hamburg. Levitin, ursprünglich aus Israel, startete seine musikalische Entwicklung mit Schlagzeug, Saxophon und Klarinette sowie beim Rinat National Choir of Israel. Er ist ausgebildeter Kantor (Abraham-Geiger-Kolleg der Universität Potsdam, 2016), Komponist, Arrangeur, Chorleiter und Dozent. Sein Ensemble Die Drei Kantoren ist seit 2014 Teil des offiziellen Kulturprogramms des Zentralrats der Juden in Deutschland. 2017 gründete Levitin das Kolot Vocal Quintet für jüdische und israelische Musik. 2021 präsentierte er mit dem Deutschen Kammerchor landesweit liturgische Musik deutsch-jüdischer Komponisten, die größtenteils seit der Shoah nicht mehr aufgeführt wurden.

Der Leipziger Synagogalchor ist ein Unikat in der deutschen Musikgeschichte. 1962 wurde er von dem jüdischen Kantor Werner Sander (1902-1972) gegründet, um die nach der Schoah nur noch in wenigen Quellen überlieferte Chormusik der liberalen Synagogentradition wieder aufführen zu können. Sander arrangierte jiddische und hebräische Lieder für gemischten Chor und der Laienchor eroberte sich in den zwei deutschen politischen Systemen einen festen Platz in der Chorlandschaft. Auf Sander folgten Helmut Klotz, Ludwig Böhme und Philipp Goldmann (seit 2022). 2017 wurde das Ensemble mit dem Obermayer German Jewish History Award geehrt. Auf Initiative des Chores wurde die „Revitalisierung synagogaler Chormusik des 19. und 20. Jahrhunderts Mittel- und Osteuropas“ 2020 als gutes Praxisbeispiel in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes eingetragen. Der Leipziger Synagogalchor ist Mitglied im Netzwerk Tolerantes Sachsen.